Markus Voigt

Kampfesbruder

Mein früher hitziges Feuer, das einst für Wahrheit, Recht und Heimat in mir loderte, war längst einer abgeklärten Verwirrung gewichen. Das Handwerk hieß Kampf und ich gehörte nun dorthin, wo zu saufen, zu fressen, zu rauben und zu marodieren war. Wofür und warum war in dieser wüsten und verschlungenen Welt schon längst nicht mehr festzustellen.
Das folgende Ereignis, von dem ich nun berichten möchte, fand statt, nachdem ich schon mehrmals konvertiert war. Dies ist insofern von Belang, als dass eben jenes Hin und Her vor Gott mir schließlich zum Verhängnis wurde.
Der Krieg ging für mich ins vierzehnte Jahr und ich kämpfte zu der Zeit für die Sächsisch-kaiserlichen, als wir Oberst Torstensson bei Breitenfeld in die Enge trieben. Wir überzogen sein Heer mit einer forcierten Kanonade, um durch diese Deckung unsere Truppen zum Angriff zu sammeln. Doch die Schweden waren munter und wendig genug, erkannten unsere Schwäche und griffen nun ihrerseits an.
Im Nu befand ich mich inmitten eines Hexenkessels aus dickem Pulverdampf, Staub und Blut. Die klappernden Harnische, das Singen der Kugeln über unseren Köpfen, die krachenden Piken und das Geschrei der Rasenden und der Sterbenden fügte sich mit den Trompeten, Trommeln und Pfeifen zu einer gräulichen Musik.
Die Erde, die doch die Toten bedecken soll, wurde nun mit ihnen überstreut – überall Köpfe, Leiber und Hände, die zuckten, als wollten sie zurück ins Gedränge.
Plötzlich und in diesem tobenden Höllentanz völlig unerwartet stand er mit gezücktem Dolch vor mir: Mein alter Kampfesbruder Christoph, mit dem ich vor vielen Jahren als Landsknecht an der Dessauer Elbbrücke für die Dänen in die Schlacht gezogen war. Am liebsten hätte ich ihn wohl umarmen wollen. So war ich kopflos und wie gelähmt, standen wir uns doch, vor Todesangst schwitzend, mit erhobenen Waffen und weit aufgerissenen roten Augen gegenüber.
„Du alter Hund – das wird ein kurzes Wiedersehen, wenn dir deine Seele nicht im Leib festgewachsen ist!“ Als er auf mich zustürzte, rammte ich ihm meine Lanze in die Brust, dass die Rippen barsten. Denn so sind die Regeln in dieser unübersichtlichen Welt: Dem Tod entgehst du nur, indem du mit gottloser Courage den Nächsten niedermachst.

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