Markus Voigt

Deutsche Texte

Songtexte ohne Musik verlieren natürlich eine Menge an Energie und Sinn (insbesondere wenn sie für das Theater geschrieben sind) . Nichtsdestotrotz hier ein paar meiner Texte, die alle auch irgendwo auf dieser Website in Ausschnitten mit der Musik zu hören sind.

Zwei Texte aus dem Stück “Dracula”:

Der Tod

Bist du zäh, kannst du das Matterhorn besteigen
Prozesse, die gewinnst du vor Gericht,
beim Boxen kannst du Siegeswillen zeigen,
den Tod bezwingen wirst du niemals nicht.

Hast du von einem Buch genug, kannst du’s zuklappen,
Vorm Schlafen machst du einfach aus das Licht
Im Fernseh’n kannst du Werbung, zack, wegzappen,
den Tod ausschalten, das geht leider nicht.

Ach ja, der Tod, ach ja, der Tod,
ist ganz schön unbestechlich, rigoros und frei
Ach ja, der Tod, ach ja, der Tod,
wenn er dann kommt, dann kommst du nicht an ihm vorbei.

Dein Wissen kannst durch Lernen du erweitern,
mit Silikon vergrößert man die Brust,
beim Leben-Längermachen wirst du scheitern,
denn da gibt’s eine Zeit, zu der du gehen musst.

Ideologie und Politik kannst du auslachen
Verhöhnen kannst du Gott und Kruzifix
Auch mit dem Tod kannst du diverse Späße machen
Nur nützt dir das am Ende leider nix.

Ach ja, der Tod, ach ja, der Tod,
ist ganz schön unbestechlich, rigoros und frei
Ach ja, der Tod, ach ja, der Tod,
wenn er dann kommt, dann kommst du nicht an ihm vorbei.

Und dennoch gibt es einen Weg, ihn zu bescheißen,
der kostet dich nur ein paar Tropfen Blut.
Lass dich doch hier und heute einfach beißen,
dann lebst du ewig untot – ist doch gut!

Oh Mann, der Tod, der alte Tod,
der scheint nur unbestechlich, rigoros und frei
Ja auch der Tod, sieht manchmal rot
und mit ein bisschen Glück geht er an dir vorbei

Ja, dann  gerät der Tod in Not,
hey, bist du schlau, kannst du dem Schicksal glatt entgeh’n,
erteil dem Tod Totmach-Verbot,
bist du Vampir, lässt du den Tod im Regen steh’n.

 

 

Verdrängung und Begierde

Das Leben kann so hundsgemein zu dir sein,
so hässlich, so hart oder grau
und plötzlich stehst du dann so da ganz allein,
ganz klein und als elende Sau.
Kein Wunsch wird erfüllt,
du kriegst nix, was du willst,
dein Dasein entwickelt sich mies.
Wenn alles zuviel wird und dich strapaziert,
dann hör meinen Rat und befolg’ ihn präzis

 
Spring von der Klippe hinein in den Rausch,
lass einfach los, lass dich geh’n,
verdräng’ was das Zeug hält, so hältst du das aus
lass dich treiben und lass alles steh’n.
Tauch ein in Begierde,
betäubt ignoriere
die Härten der Realität.
Du bist eben schwach und besitzt keine Macht,
für Gegenwehr ist es schon lange zu spät.

(gesprochen)
Schau dich um: Niemand ist nur so, wie er scheint!
Diese herrliche Hilflosigkeit ist doch eine wahre Augenweide, oder?
(auf Arthur zeigend:)
Der hier ist zerfressen von Alkohol und körperlicher Gier.
(van Helsing:)
Für ihn dort ist Arbeitswut das praktikabelste Elixier.
(Seward:)
Dieser arme Mann hat sich den illusorischen Welten des Morphiums verschrieben.
(Mina:)
Und dieses bejammernswerte Mädchen ist dem Verlangen nach Aberblauben und Magie erlegen.
(Renfield:)
Hier vorn siehst du die rauschhafte Macht des Wahnsinns – nebenbei bemerkt: Auch eine äußerst wirksame Methode.

Und du? Los – denk dir was aus!
Glotz TV, friss oder rauch, gib dich hin und gib dich auf!
Mensch, schenk dir richtig mal was ein und..

 
Spring von der Klippe hinein in den Rausch,
lass einfach los, lass dich geh’n,
verdräng’ was das Zeug hält, so hältst du das aus
lass dich treiben und lass alles steh’n.
Tauch ein in Begierde,
betäubt ignoriere
die Härten der Realität.
Du bist eben schwach und besitzt keine Macht,
für Gegenwehr ist es schon lange zu spät – viel zu spät.

 

Aus “High Potentials”, einem Stück über die wahn-witzigen Zustände in deutschen Firmen und Büros ein Text mit vielen bescheuerten Begrifflichkeiten aus dem Umfeld. Ein Social Butterfly ist jemand, der sich auf Get togethers, Partys und Empfängen durchs Leben netzwerkt. Schlimm, schlimm…  

My Social Butterfly

1. Wenn man mal so von weitem guckt
Wie der Mensch erst stolpert und dann zuckt
Schließlich aufsteht und dann weitergeht
Und das von morgens früh bis ganz schön spät, und sich dabei nur um sich selber dreht.

Wen man mal so von oben sieht
Wie der War for talents dunkle Kreise zieht
Dann rührt das einen wirklich sehr
Denn mit der work-life-balance ist es nicht weit her, na ja, ist ja auch schwer, yeah yeah

Refrain: Work on your hard and soft skills, my social butterfly,
mit 40 ist dein Sommer halt vorbei,
Kick off your Optimierung bis zur Eigen-Insolvenz
Und pass auf, dass du die Benchmark nicht verpennst, und dich nicht verrennst.

2. „Das weekend, das gehört der family“
Das klingt vernünftig, klappt nur leider nie.
Und ist auch nur für den ein guter Rat,
der sich’s zeitlich leisten kann und eine hat, ein fieser, schmaler Grat…

Zielführender als roadmap, sei gesagt,
dass man sich nach der high end-Lösung fragt
und frei und schlau der Konkurrenz wegflitzt
als Dink mit Double income and no kids, oh please no kids, no no.

Refrain: Work on your hard and soft skills, my social butterfly,
mit 40 ist dein Sommer halt vorbei,
der Markt heiligt die Mittel, drum mach dir keinen Lenz
und tune deine Kernkompetenz und die Stringenz deiner Effizienz.

3. Da kann man halt nix machen, es ist so:
Oben performt und optimiert der CEO
Und unten wird gedownsized, dass es kracht
Was ganz fix mal ’nen Verlierer aus dir macht, drum gib beim Get together acht.

Es gibt auch ’ne Moral bei der Geschicht’:
Nämlich, Moral, die gibt es leider nicht
Doch sein wir ehrlich, die gibt’s nirgendwo
Nicht auf dem Schlachtfeld und schon gar nicht im Büro, naja, das ist nun einmal so.

Refrain: Work on your hard and soft skills, my social butterfly,
mit 40 ist dein Sommer halt vorbei,
wenn du dann abgewickelt wirst ist, dann ist das kein Verlust
nur der Product-Lifecycle den alles gehen muss.
Das macht zwar Frust, doch dann ist Schluss.

 

Hier ein Bänkelgesang, der die Überfahrt des Grafen Dracula nach England beschreibt. So oft kommt man ja nicht dazu, in klassischem Balladenstil zu schreiben:

DIE BALLADE VOM HÖLLENSCHIFF

1.Ein stolzes Schiff strafft seine Segel, nach England soll es geh’n.
Die Flagge weht im Himmelsbogen, es gleitet frei durch Gischt und Wogen,
kaum ist noch grünes Land zu seh’n.

2.Geladen hat es Sack und Fässer und Kisten tief im Bauch.
Doch unheildrohend bei den Ratten, dort liegen Särge kalt im Schatten.
So lud es schieres Grauen auch.

3.Dann legen Nacht und Nebelschwaden sich bleich auf Schiff und Fracht,
da, plötzlich gellt durch dumpfe Stille eisig-schrill in düst’rer Hülle
ein Todesschrei um Mitternacht.

4.Die Mannschaft packt der blanke Schrecken, es graust den Kapitän.
Ein toter Maat liegt blutentleert an Deck, die Augen angstverzerrt,
doch niemand hat den Mord geseh’n.

5.So fährt das Schiff durchs Meer des Grauens von Nebel fest im Bann.
Und Nacht für Nacht, gierig und matt, da schleicht der Tod und trinkt sich satt;
ja – täglich stirbt ein tapf’rer Mann.

6.Matrosen packt die irre Ohnmacht, sie fliehen über Bord;
dort rasen brodelnd Hai und Rochen, sie reissen Fleisch und brechen Knochen
und zieh’n sie in die Tiefe fort.

7.Manch Tage, viele Tode später erreicht das Schiff sein Ziel.
Am Kai von London legt es an, knirschend wie von Geisterhand
und menschenleer vom bösen Spiel.

8.Nur ein Mann ist an Bord verblieben, seht dort den Kapitän.
Ein Christenkreuz vor seiner Brust als Schutz vor blut’gem Todeskuss,
so hat er Teuflisches geseh’n.

9.Sich selbst ans Steuerrad gekettet aus Angst vor eig’nem Wahn.
Ins Logbuch schrieb er zwar vom Morden, doch ist am End auch er gestorben
vor Schreck und Schock und irrem Gram.

10.Nun liegt das geisterhafte Schiff am unheilvollen Kai;
es bringt uns Alptraum und Verderben und gottlos-schattenhaftes Sterben,
der Höllenspuk ist nie vorbei, nein der Höllenspuk ist nie vorbei,

 

Dies ist der Opener, den ich für das Musical „Talkshow total“ geschrieben habe.

TALKSHOW TOTAL

Woran muß ich schon denken morgens, wenn ich aufsteh’?
Was rettet meinen öden Tag bis ich nach Haus’ geh’?
Wovon werd’ ich selten satt?
Was macht mich süchtig nach mehr?
Setzt den Verstand schachmatt?
Macht mich zum großen Voyeur?

Glotze an, endlich ist es soweit,
ich bin bereit und gut drauf,
ich steh’ auf

Talkshow total
Immer voll dabei und alles and’re  egal.
Talkshow total
Fette Gefühle finden wir phänomenal.
Lampen an – lasst sie los –
Radikal und schonungslos
Wir kriegen nie zuviel
Von diesem geilen Spiel.

Heulende Weiber, krasse Typen, Sensationen,
Leichen im Keller, Emotionen, die sich lohnen,
Wo wird gewonnen und verlor’n?
Was peitscht wie Adrenalin?
Treibt mir den Schweiß aus den Poren
Ist meine Medizin?

Glotze an… usw.

 

Aus der Revue „Heimatabend“, die 10.000 Jahre Heimatgeschichte abhandelt,  stammt folgender Text:

WILLKOMMEN IN DER HEIMAT

Str 1
Wenn über allen Wipfeln lautstark
Die Lorelei ins Posthorn röhrt
Und ein Königskind dem andern
Die Nibelungentreue schwört

Wenn aus grauer Städte Mauern
Die schwäb’sche Eisenbahne kracht
Dann möchte ich recht in Freuden wandern
Denn ich bin um den Schlaf gebracht.

Ach, ade, du mein lieb Heimatland
Winde weh’n und Schiffe geh’n
Ich weiss nicht, was es bedeuten soll
Ich weiss ja nicht mal, wie viel Sternlein steh’n

Refr
Willkommen in der Heimat
Wo auch immer das ist
Was auch immer das sein mag
Wer auch immer du bist

Willkommen in der Heimat
Wann auch immer das war
Wenn nicht jetzt, wann denn dann?
Dann also nun oder nie
Willkommen bei der durchgeknallten
Philosophisch abgeprallten
10.000-Jahre langen Heimat-Revue.

Str 2
Wo Hermann Löns auf grüner Heide
Herrn Ribbecks Birnenbäume fällt
Und Sissi mit dem alten Förster
In Thule Vogelhochzeit hält

Wo Taugenichts im Silberwalde
Den Erlenkönig umgebracht
Da will ich rechte Gunst erweisen
Und denk an Deutschland in der Nacht

Ach herrjeh du mein lieb Heimatland
Auf den kühlen Grund will ich dir geh’n
Ich weiss nicht, was du bedeuten sollst
Ich weiss ja nicht mal, wie viel Sternlein steh’n

Refr
Willkommen in der Heimat…

 

Schließlich ein Text über die Liebe. Ja, auch das muss sein. Gesungen/gesprochen von einem aufklärt-zynischem Bänkelsänger und einem empfindsamen Mädchen-Chor:

ÜBER DIE LIEBE

Liebe, Liebe, Liebe….

Mann, das kann ich ja jetzt schon nicht mehr hör’n…

Str.1
Seit tausend Jahren  reimt sich „Herz“
Stark abgewetzt auf „Liebesschmerz“.
So dichtest du, vom Rausch ganz heiss,
träumst dabei von  Nacht und Schweiss,
und glaubst dir selbst den ganzen Mist
und dass das echte Liebe ist.
Du flüsterst zwar: „Ich hab dich lieb!“,
doch nur für Sex aus purem Trieb.

Refr.
So ist und bleibt im Weltennetz
Die Liebe völlig überschätzt
Ein altes Wort, ein leerer Hut
Und ihr – so töricht, schlicht und gut
Fallt immer wieder darauf rein.
Ja, ja, so blöde kann man sein.

Liebe, Liebe, Liebe….

Ach kommt, nun guckt mich nicht so an,
ihr wisst genau, da ist was dran.

Str.2
„O Du, nur du, ich will nur dich
mit Haut und Hüften ganz für mich!
Von Dir bekomm ich nie genug!“
das denkst du voller Selbstbetrug
und glaubst dir selbst den ganzen Mist
und dass das echte Liebe ist.
Doch das ist, nimm es einfach hin,
nur Eitelkeit und Eigensinn.

Refr.
So ist und bleibt im Weltennetz
Die Liebe völlig überschätzt
Ein altes Wort, ein leerer Hut
Und ihr – so töricht, schlicht und gut
Fallt immer wieder darauf rein.
Wie blöde kann man eigentlich sein?

Liebe, Liebe, Liebe….

Was macht denn ihr jetzt für’n Gesicht?
Ich glaub, ihr glaubt mir immer noch nicht-
Na dann:

Str.3
„Bleib du bei mir, ich bleib bei dir“
schreibst weinend du auf  Duft-Papier.
Doch tust du’s nur aus Selbstmitleid
Und roher Angst vor Einsamkeit.

„Die Liebe heilt alle Wunden
in Jahren, Wochen, Tagen, Stunden!“
und so vertust du deine Zeit
aus Ignoranz und Faulheit.

„Amor vincit und trara-
die Liebe siegt mit Gloria!“
das ist ganz einfach und profan
nur Trotz und leichter Größenwahn.

„Im Namen Gottes und der Liebe
ändern wir das Weltgetriebe!“
klingt sehr nach Übermut im Blut
und tat der Welt noch nie sehr gut.

Refr.
So ist und bleibt im Weltennetz
Die Liebe völlig überschätzt
Ein altes Wort, ein leerer Hut
Und ihr – so töricht, schlicht und gut
Fallt immer wieder darauf rein.
Ja, ja, so treudoof kann man sein.

Liebe, Liebe, Liebe….

Ich sag’s ganz laut, dass ihr’s auch hört:
Glaubt nicht den Quatsch, der euch zerstört.